100. Geburtstag von Stadtchronist Hans Günther Griep

 

Goslarsche Zeitung, 21.07.2023

Heimatforscher warnt vor dem Verlust historischer Substanz und verfasst bis zu seinem Tod vor sieben Jahren mehr als 300 Publikationen

 

 

Welcher Goslar-Fan hat ihn nicht im Bücherregal, den kleinen Schuber mit sie­ben Heftlein über alles, was in Gos­lar an wichtigen Gebäuden entstanden ist? Auch die Redaktion hat „ihren Griep“ im Schrank. Hans­-Günther Griep, Goslar-Chronist und -Liebhaber, Heimatforscher, Archi­tekt, Diplom-Ingenieur, Stadtpla­ner, Buchautor, Denkmalschützer, wandelndes Stadtlexikon, Mann mit der Fliege und vieles mehr, ist am 27. Februar 2016 gestorben. Heute wäre er hundert Jahre alt geworden.

 

Kein Bergkalender ohne Griep, der Ehrenmitglied des Museumsver­eins war und die „Rätselhaften Ge­genstände“ einführte, ein belebtes Ratespiel, das sich seit inzwischen 60 Jahren ungebrochener Beliebtheit erfreut. Auch auf Goslarer Bau­stellen nahm er allerlei Fundstücke mit, baute sich aus diesen Zeitzeug­nissen eine eigene Sammlung auf. Seine Bücher über Goslar sind ein  Schatz, auf dem viel aufbaut. Er übersetzt die erste Dissertation über Goslar, die „Historia Gosla­riensis“, eine inzwischen 360 Jahre alte Arbeit des Geschichtsstudenten Kaspar Körber aus Goslar – und machte sie für die Forschung zu­gänglich.

Bis 1985 Stadtplaner

„Die Frage zu einem historischen Haus in der Altstadt, die er nicht beantworten könnte, muss erst noch erfunden werden“, schrieb GZ – Re­dakteur Friedrich Metge vor zehn Jahren zu Grieps 90. Geburtstag. Damals brachte dieser ein Buch über das Bergdorf heraus. Griep wohnte seit 1945 in seinem selbst
gebauten Haus am Thomaswall bis 1985 war er im städtischen Planungsamt beschäftigt. Der Ruhe­stand war für den „Bewahrer und Schützer der Altstadt“ keine Zäsur – er machte einfach weiter, konzen­trierte sich noch mehr auf die Haus­forschung. Er starb im After von 92 Jahren in Hannover, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte. Schon zu Lebzeiten wurde ihm viel Anerkennung in Form des Gos­larer Kulturpreises (1974) und des Kulturpreises Harz (2003) zuteil. Griep erhielt zwei Niedersächsische Verdienstkreuze (1968 und 2006), 2006 war es das 1. Klasse.

Den 100. Geburtstag von Griep nimmt der Museumsverein zum An­lass, im Herbst ein Symposium auszurichten. Der Geschichtsverein plant eine Veröffentlichung in den nächsten „Stadtgeschichten“ und die Stadt Goslar hat in Absprache mit dem Museumsverein eine Pres­semitteilung verfasst, die auf Goslars bekanntesten Geschichtsschrei­ber hinweist. Mit mehr als 300 Veröffentlichungen, unzähligen Vorträgen und einem vielfältigen bürgerlichen Engagement für Ge­schichte und Denkmalpflege hat Hans-Günther Griep einen bedeu­tenden und fortwirkenden Beitrag zur Stadtkultur Goslar geleistet“, schreibt Dr. Jan Habermann.

Habermann widmet sich der „un­ermesslichen Werkvielfalt“ Grieps und greift zentrale Titel heraus, darunter. die Monographie „Das Bür­gerhaus in Goslar“ von 1959, „Das Bürgerhaus der Oberharzer Berg­städte“ (1975) sowie die „Kleine Kunstgeschichte des deutschen Bürgerhauses“ (1985).

Eine Fülle an Themen

Die Jahresgaben des Museums­vereins berichteten mit Griep als Autor von Goslars mittelalterlichen  Bronzen, Goslarer Textilien und Glasmalereien aus dem Mittelalter, mittelalterlichen Buchmalereien, Steinbildwerken und Münzen. „Einen maßgeblichen Anteil hatte Griep außerdem an der Sicherung und Dokumentation archäologi­scher Grabungsarbeiten“, schreibt Habermann und verweist auf eine Reihe schriftlicher Aufsätze zu den Ergebnissen archäologischer Gra­bungen in Goslar. Sein Wissen gab er als Dozent bis 2006 in zahlreichen Kursen der Volkshochschule weiter, für deren Gründung er sich selbst eingesetzt hatte. Wenn einer Spuren in Goslar hinterlassen hat, dann Hans-Günther Griep – an ihm führte und führt einfach kein Weg vorbei, wobei die persönlichen Be­gegnungen mit dem kultivierten, humorvollen Mann mit der Fliege stets ein Gewinn waren.

 

 

Hans-Günther Griep ist schon in jungen Jahren an­erkannt: 1968 er­hält er von Verwal­tunsgspräsident Dr. Thiele (links) das Verdienstkreuz am Bande des Nieder­ sächischen Verdienstordens; nur eine von mehreren Ehrungen. Im Hin­tergrund: Stadtdirektor Hoffmann.
GZ-Archiv: Tempes

 

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